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Von Philip Litzke, Gründer und Designer von Coasterfashion
2021 schickten mir Fans Bilder von T-Shirts und Pullovern aus dem Freizeitpark Energylandia in Polen. Darauf war ein rundes Motiv mit Achterbahnen und dem Wort „Coasterholic“ zu sehen. Mein erster Gedanke war: Das sieht meinem Design verdammt ähnlich.
Das Motiv hatte ich schon während meines Studiums entworfen. Coasterfashion gab es als Marke damals noch nicht. Ich bot zunächst einzelne Designs über Spreadshirt an; die Idee für meinen eigenen Shop entstand erst später.
Beim Shirt aus Energylandia waren die Achterbahnen anders gezeichnet und die Schrift anders gestaltet. Trotzdem erkannte ich in der Kombination und im Aufbau meine frühere Arbeit wieder. Was mich zusätzlich stutzig machte: Einige Monate zuvor hatte jemand aus dem Umfeld des Parks bei mir bestellt.
Mein Coasterholic-Design gab es schon vor Coasterfashion
Während meines Studiums probierte ich aus, wie sich meine Begeisterung für Achterbahnen mit meiner Arbeit als Designer verbinden lässt. „Coasterholic“ war eines der Motive, die daraus entstanden. Ich verband den Begriff mit einer stilisierten Achterbahn-Grafik zu einem runden Design für Kleidung.
Später gründete ich Coasterfashion, um solche Ideen unter einer eigenen Marke weiterzuentwickeln. Als ich 2021 die Bilder aus Energylandia sah, ging es für mich deshalb nicht um ein gerade erst veröffentlichtes Shirt. Ich sah eine Gestaltung wieder, die mich schon seit Jahren begleitete.
Erst kam eine Bestellung, dann kamen die Bilder
Einige Monate bevor Fans mich auf das Shirt aufmerksam machten, ging bei Coasterfashion eine größere Bestellung ein. Die Lieferadresse gehörte zu Energylandia. Ich kam mit einer Person aus dem Umfeld des Parks in Kontakt. Unser Austausch war freundlich; ich bekam sogar vier Freikarten.
Ich freute mich damals, dass jemand aus einem großen Freizeitpark meine Produkte entdeckt hatte. Über ein eigenes Coasterholic-Motiv des Parks sprachen wir nicht.
Als später die Bilder bei mir ankamen, sah ich diese Bestellung mit anderen Augen. Sie beweist nicht, wie das Energylandia-Design entstanden ist. Zusammen mit der Ähnlichkeit war sie für mich aber ein Grund, nicht einfach von einem Zufall auszugehen. Diese Abfolge habe ich damals auch dem Freizeitpark-Medium Looopings geschildert.
Was sich ähnelt – und was nicht
Das Wort „Coasterholic“ allein ist nicht mein gesamtes Design. Auch eine runde Form oder eine Achterbahn-Zeichnung für sich genommen erklären meine Einschätzung nicht. Entscheidend ist für mich die Kombination: ein rund aufgebautes Motiv mit stilisierten Achterbahnen und dem prägenden Schriftzug.
Genau diesen Aufbau sah ich auf dem Shirt aus Energylandia wieder. Gleichzeitig sind die Unterschiede sichtbar: Die Bahnen sind anders illustriert, und der Schriftzug steht beim Energylandia-Motiv oberhalb statt unterhalb der Grafik. Es ist keine unveränderte Kopie meiner Datei.
Deshalb möchte ich, dass man beide Motive nebeneinander betrachten kann. Meine Einschätzung lautet: Das Design aus Energylandia hat sich an meinem früheren Motiv orientiert. Wer es gestaltet oder die Entscheidung dafür getroffen hat, weiß ich nicht.
Fans machten mich auf das Shirt aufmerksam
Ich erfuhr nicht durch eine Anfrage des Parks davon. Fans, die Coasterfashion kannten, schickten mir Fotos und fragten, ob ich das Design gesehen hätte.
Die Geschichte wurde anschließend auf Reddit diskutiert. Ich meldete mich dort selbst zu Wort. Einige sahen eine klare Übernahme meiner Idee; andere fanden die Gemeinsamkeiten zu allgemein. Diese unterschiedlichen Reaktionen gehören zur Geschichte dazu.
Ich schrieb damals der Person, mit der ich zuvor Kontakt gehabt hatte, erhielt aber keine Antwort. Auch Looopings fragte Energylandia nach einer Erklärung. Als der Bericht am 24. Juli 2021 erschien, lag der Redaktion nach eigenen Angaben keine Stellungnahme des Parks vor.
Das Shirt wird noch immer angeboten
Für diesen Artikel habe ich mir den Onlineshop von Energylandia erneut angesehen. Das Coasterholic-Shirt wird dort auch im September 2026 noch angeboten. Es zeigt weiterhin das Motiv, über das wir 2021 diskutiert haben.
Für mich macht das einen Unterschied. Ich erzähle hier nicht nur von einem Shirt, das damals kurz auftauchte und wieder verschwand. Das Motiv ist Jahre nach der öffentlichen Diskussion noch Teil des Merchandise-Angebots.
„Copycatlandia“ war meine Reaktion
Aus Ärger veröffentlichte ich damals ein „Copycatlandia“-Motiv, das mit dem Erscheinungsbild von Energylandia spielte. Es war ein provokanter Kommentar und zu diesem Zeitpunkt kein regulär verkauftes Shirt.
Damit wollte ich zeigen, wie sich die Situation aus meiner Perspektive anfühlte. Im Reddit-Thread stellte ich auch klar, dass ich die Shirts damals nicht verkaufte.
Warum ich keine rechtlichen Schritte eingeleitet habe
Ich entschied mich gegen einen Rechtsstreit. Eine Auseinandersetzung über Ländergrenzen hinweg hätte für mich als unabhängigen Shopbetreiber viel Zeit, Geld und Energie gekostet. Das bedeutet nicht, dass ich die Ähnlichkeit in Ordnung fand.
Ich hätte mir ein Gespräch gewünscht. Wenn ein Park ein Design entdeckt, das zu seinen Besuchern passt, kann er den Designer kontaktieren. Daraus hätte ein eigenständiges Motiv entstehen können, das für Energylandia entwickelt worden wäre.
Was ich daraus mitgenommen habe
Coasterfashion verbindet meine zwei Perspektiven: Als Fan weiß ich, welche Details und Begriffe in der Achterbahn-Community etwas auslösen. Als Designer beschäftige ich mich damit, wie aus einem solchen Gedanken ein Motiv wird, das auf Kleidung funktioniert und das man gerne trägt.
Diesen Ansatz biete ich mit Coasterfashion Pro auch Freizeitparks und Attraktionen an. Ein Park kennt seine Bahnen und seine Marke. Ich bringe mein Verständnis für die Fans und die Gestaltung ein. Gemeinsam kann daraus Merchandise entstehen, hinter dem beide Seiten stehen.
Du kannst dir die Coasterholic-Kollektion von Coasterfashion, das Energylandia-Shirt und die Bilder im damaligen Looopings-Bericht ansehen und dir selbst eine Meinung bilden.
Meine Sicht ist klar: Ich halte das Energylandia-Motiv für auffallend nah an meiner früheren Arbeit. Wie es intern entstanden ist, kann ich nicht beurteilen. Lieber hätte ich mit dem Park gesprochen und gemeinsam etwas Neues gestaltet.
Philip Litzke
Gründer und Designer von Coasterfashion

